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Tipps zur Haltung und Zucht
Einleitung:
Viele Züchter und Wissenschaftler sehen in Copepoden und insbesondere ihren
Nauplien einen wesentlichen Schlüssel zum Erfolg bei der Haltung und Aufzucht
mariner Tiere. Die Suche nach Arten, die einfach zu vermehren und zu beschaffen
sind, ist daher ein wichtiger Schritt für die Weiterentwicklung der Nachzucht
von Meerestieren.
Vor einiger Zeit konnte ich über das IFMN-Mitglied Rainer
Schindwolf (RS Aquaristik) einen
Ansatz von Tigriopus californicus aus den USA erhalten. Bei diesen, in den USA
umgangssprachlich als „Tiggerpods" bekannten Tieren handelt es sich um Copepoden
(Gruppe
Harpacticoida), die von Alaska bis Kalifornien vorkommen. Sie sollen
Körperlängen bis zu 2,5 mm erreichen können; meine Tiere liegen aber
überwiegend zwischen 1 und 2 mm. Wegen dieser Größe sollten auch erwachsene
Tiere ein gutes Futter für größere Jungfische oder etwa Mandarinfische sein.
Im Folgenden habe ich einige Tipps zur Haltung und Zucht, die auf meinen
bisherigen Erfahrungen beruhen, zusammengefasst:
Behälter:
Für den Start einer Kultur haben sich am günstigsten kleine Behälter (ca. 500 -
1000 ml) erwiesen. Werden wenige Tiere in größeren Behältern gehalten, dauert
es nach meiner Erfahrung länger, bis eine dichte Population aufgebaut ist. Bei
steigender Zahl kann/soll natürlich auch die Wassermenge erhöht oder der Ansatz
geteilt werden. Ich selbst bevorzuge mehrere kleinere Behälter gegenüber einem
einzelnen großen.
Obwohl die T. californicus viel im freien Wasser schwimmen
und ansonsten an den Behälterwänden sitzen, ist es gerade bei kleineren
Behältern vorteilhaft, die Aufsitzfläche zu vergrößern, indem man z. B. einen
Bio-Filterigel beifügt.
Salinität:
Ich halte die Tiere bei etwa 35 ppt (35 g Salz pro Liter Wasser). Gegen Unter-
oder Überschreitungen sind die T. californicus recht unempfindlich; die Grenzen
habe ich nicht ausgetestet, sie sollen aber bei unter 10 bis sogar über 100 ppt
liegen (siehe unten stehenden Links).
Temperatur:
Die Tiggerpods leben bei mir bei Zimmertemperatur, die jedoch ganz
unterschiedlich ausfällt (25° C über dem Heizkörper, etwa 15° C am
Fensterbrett). Versuche im Freiland (bzw. im unbeheizten Gewächshaus) haben
gezeigt, dass Temperaturen von unter 5° C bis über 30° C schadlos überstanden
werden und ab einer gewissen Mindesttemperatur die Vermehrung auch bei stark
schwankenden Temperaturen sehr gut funktioniert. Der optimale Temperaturbereich
dürfte zwischen 20° C und 25 ° C liegen.
Belüftung:
Ich belüfte die meisten Behälter nicht. Ausnahme: Schlanke hohe Gefäße und
Kulturen mit Wassertemperaturen über 25° C belüfte ich mit einzelnen Blasen aus
einem Luftschlauch (kein Ausströmer). Auch bei größeren Becken (z. B.
20-L-Becken) empfiehlt sich eine sanfte Belüftung in einer Ecke.
Fütterung:
Die T. californicus fressen nach Literaturangabe hauptsächlich Phytoplankton
wie Diatomeen, aber auch
Bakterien (McGroarty 1958). Die besten Erfahrungen habe ich mit
einer Mischung aus Phytoplankton und Flockenfutter gemacht. Gleich vorweg:
Allein mit grünem Phytoplankton (z. B. Nannochloropsis) geht es, aber mehr
schlecht als recht. T. californicus scheint sich hauptsächlich von „braunen
Algen" (Kieselalgen, Flagellaten) zu ernähren. Da diese nicht leicht zu züchten
sind, verwende ich Instant-Algen z. B. von Reed-Mariculture/Reefnutrition. Die
Algen sind hochkonzentriert, so dass ich jeweils etwas davon in Wasser löse und
von der Lösung wiederum nur einige wenige Tropfen täglich pro Behälter
verfüttere. Das hat den Vorteil, dass das Stammkonzentrat verschlossen im
Kühlschrank stehen bleiben kann und die Lösung aufgrund des hohen
Süßwasseranteils lange an der Oberfläche bleibt. Durch die hohe Ergiebigkeit
relativiert sich auch der doch recht stolze Preis für die Produkte, die
allerdings von begrenzter Haltbarkeit sind. Um ein breites Nahrungsspektrum
anzubieten, verwende ich bevorzugt Algenmischungen wie Phyto Feast, Phyto Feast
live oder Shellfish Diet.
Zudem erhalten meine T. californicus täglich wenige einzelne(!)
Flocken eines pflanzlichen Flockenfutters. Dies scheint für eine hohe
Vermehrungsrate sehr wichtig zu sein, wie mir auch andere Züchter bescheinigt
haben. Ich weiß nicht, ob dieses Futter direkt aufgenommen wird oder ob sich
die Copepoden von Zersetzungsprodukten oder (vermutlich) den daran beteiligten
Bakterien ernähren. Jedenfalls wirkt es sich positiv aus. Zur Fütterungsmenge kann man aber kaum absolute
Angaben machen, weil es natürlich auf die Größe des Behälters und die Zahl der
Copepoden ankommt. Bei den Flocken achte ich aber immer darauf, dass alles
weggefressen ist, bevor eine neue dazu kommt!
Entnahme und Wasserpflege:
Die Entnahme von Copepoden (zur Verfütterung oder Weiterzucht) sollte nicht zu
früh erfolgen. Je dichter der Ansatz, desto rascher die Vermehrung. Allerdings
stagniert die Vermehrung, wenn die höchste Populationsdichte erreicht ist. Dann
ist die Entnahme eines Teils der Tiere zur weiteren Vermehrung erforderlich!
Bei der Wasserpflege ist übertriebene Sauberkeit eher schädlich! Insbesondere
scheint ein gewisser Bodensatz (Mulm) für die Entwicklung der Nauplien sehr
günstig zu sein. Wenn allerdings das Wasser nach einiger Zeit durch die
Algenfütterung braun gefärbt und doch erheblich schadstoffbelastet ist, sollte
ein Teilwasserwechsel erfolgen, um die Vermehrung wieder anzukurbeln. Ich habe
mir angewöhnt, dabei auch einen Teil des Mulms mit abzusaugen. Nicht
wegschütten! Darin sind Copepoden und vor allem eine Menge Nauplien enthalten.
Ich gebe den abgesaugten Teil in ein Gefäß und fülle - wie auch das bisherige
Gefäß - mit frischem Meerwasser auf.
Mischkultur:
Absichtlich habe ich die T. californicus zusammen mit Salzwasser-Moina,
ausgewachsenen Artemien und anderen Copepoden gehalten. Das alles geht, auch
wenn die Vermehrung in Reinkultur besser ist. Unfreiwillig ergab sich eine
Mischkultur mit Brachionus plicatilis, die sich früher oder später in den
Kulturen breit machen. Das stört nicht allzu sehr, wenn nur wenige
Rädertierchen und genügend Nahrung für alle vorhanden sind. Eine Massenvermehrung
der Rädertierchen bremst aber durchaus die Vermehrung der Copepoden. Dann kann
man aussieben (wobei leider viele Nauplien auf der Strecke bleiben können).
Oder man reduziert die Phyto-Fütterung und gibt eine Zeit lang nur Flocken. Das
unterdrückt die Brachionus, wenn auch nur vorübergehend. Da die T. californicus
recht hohe Salzgehalte vertragen, kann man die Vermehrung der Brachionus auch
bremsen, indem man die Salinität erhöht. Ich isoliere übrigens in einer
Petrischale immer wieder einmal ein eiertragendes Weibchen der Copepoden, um
auch noch eine Reinkultur zu erhalten. Es ist erstaunlich, wie viele Copepoden
in so einer kleinen Schale heranwachsen können.
Probleme:
Gelegentlich stockt die Vermehrung in einem Gefäß und es dauert einige Tage bis
Wochen, bis es wieder flott vorwärts geht. Das kann m. E. mit dem
„Generationenwechsel" zusammenhängen, da es einige Zeit dauert, bis frisch
geschlüpfte Copepoden geschlechtsreif werden. Auch deshalb meine Empfehlung,
stets mehrere kleinere Zuchtbehälter parallel laufen zu lassen. Als weitere
Ursache kommen drastisch verschlechterte Wasserwerte in Betracht. Dann ist ein
Teilwasserwechsel angebracht.
In einigen Behältern entwickeln sich gelegentlich feine Fadenalgen. Dies
scheint den T. californicus gar nicht zuzusagen. Ich entleere diese Behälter
völlig, reinige und desinfiziere sie und setzte den Ansatz dann neu an. In
einigen Behältern halte ich die Tiggerpods mit gröberen und recht langen
Fadenalgen. Hier vermehren sie sich ausgezeichnet. Es gibt aber Hinweise
darauf, dass das Einbringen von Algen (etwa Halymenia oder Cheatomorpha)
für die Copepoden ungünstig bis schädlich sein kann. Hier bedarf es noch
weiterer Erfahrungen (für entsprechende Hinweise wäre ich sehr dankbar!).
Fazit:
Tigriopus californicus ist auch mit aquaristischen Mitteln in größeren Mengen
zu züchten. Durch die hohe Temperatur- und Salinitätstoleranz bietet die Art
viele Möglichkeiten sowohl hinsichtlich der Zucht als auch hinsichtlich der
Verwendung. Die Gefahr, dass eine Kultur „abstürzt", ist sehr gering. Die Tiere
können problemlos transportiert, mehrtägig versandt und im Kühlschrank lange
Zeit aufbewahrt werden. All das macht die Art für die Meeresaquaristik und für
Nachzuchtversuche sehr interessant.
Es wäre schön, wenn andere Halter von T. californicus ihre Erkenntnisse und
Erfahrungen ebenfalls mitteilen würden.
Links:
Tiggerpods (Essay)
Tiggerpods (Reedmariculture)
Reed
Mariculture
Habitat
Reefnutrition.de
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