Ich bin hier ja bei weitem nicht der erste, der sich mit der Nachzucht von Clownfischen (in diesem Fall: Amphiprion ocellaris) versucht hat. Da jeder die (Auf)Zucht aber ein bisschen anders zu machen scheint, bringt dieser kleine Bericht vielleicht doch dem/der einen oder anderen etwas, auch wenn erwartungsgemäß nichts wirklich Neues dabei sein wird.

Zu den Elterntieren:

Beide Amphiprion ocellaris stammen aus unterschiedlichen "Quellen"; das erste Tier - das jetzige Weibchen - bekam ich vor ca. drei Jahren mit einer Größe von etwa 4cm von einem Freund geschenkt, bei dem das Tier von den anderen Clownfischen im eigentlich ausreichend großen Becken nach einiger Zeit stark ausgegrenzt und gejagt wurde. Nach einiger Zeit kam dann ein junger A. ocellaris als Nachzucht von einem deutschen Händler hinzu, der damals erst knapp drei cm groß war. Es dauerte einige Monate, bis sich die Tiere dann schließlich zu einem "echten" Pärchen zusammenfanden und fast ein halbes Jahr, bis sie endlich die rote Entacmea quadricolor (Blasenanemone) als Wirt akzeptierten. Die Tiere werden mehrmals täglich gezielt mit Artemia und Mysis per Pipette gefüttert (Frostfutter), öfters auch mit Cyclops und Lobstereiern. Ca. einmal die Woche wird das Futter zusätzlich vitaminisiert (JBL Aktivol, Tropic Marin Lipovit und Immovit). Das Weibchen ist mindestens zwei cm größer als das Männchen. Beide Tiere haben eine sehr schöne Zeichnung der Binden, das Männchen allerdings weist eine Deformierung beim Maul (Unterkiefer) auf, die mir erst mit der Zeit aufgefallen ist. Jetzt könnte man deswegen diese Tiere natürlich als Zuchttiere ausschließen. Mittlerweile bin ich allerdings eher der Überzeugung, dass es sich bei einer solchen Deformierung um einen reinen "Aufzuchtfehler" handelt, der nichts mit genetischer Determination zu tun hat und deswegen, so hoffe ich, auch nicht auf die Nachkommenschaft weitergegeben wird. Ob das stimmt, wird sich spätestens zeigen, wenn die kleinen Jungtiere groß genug sind, um ihre körperliche Fitness abschließend zu beurteilen.

Larvenfang:

Die Tiere laichen vermutlich schon seit einigen Monaten gemeinsam ab, erst kürzlich (vor ca. einem Monat) habe ich aber das erste Gelege entdecken können, dass diesmal - ausnahmweise wohl - offen auf einen Stein vor der recht großen Anemone und nicht hinter diesem Stein abgelegt wurde. Wie bekannt, kümmert sich das Männchen vorrangig um die Brutpflege, das Weibchen bringt sich weniger ein. Wie viele Eier genau es bisher waren, kann ich leider kaum abschätzen. Bei einer recht konstanten Wassertemperatur von etwas mehr als 25 Grad schlüpfen die Larven bei mir in der Nacht des neunten Tages, nachdem das Gelege produziert wurde. Aufgefallen ist mir, dass die Larven in manchen Fällen nicht alle in einer Nacht schlüpfen, sondern bei mir zumindest in einem Fall sogar auf drei (!) Nächte verteilt die Eihülle verlassen. Der Großteil schlüpfte aber die letzten Male immer am 9. Tag. Die Strömung wurde abgeschaltet, Lichter im Raum ebenfalls und eine Punktbeleuchtung (Mondlicht mit 4 LEDs) wurde auf der Glas-Abdeckscheibe des Aquariums in einiger Entfernung vom Gelege angebracht. Das Gelege wurde nie direkt angeleuchtet, weil ich Angst hatte, die Larven könnten dadurch in ihrer Entwicklung gestört werden. Die Larven wurden vorsichtig mit einem Messbecher von 1 L Inhalt abgeschöpft und in das kurz davor mit ca. 8 L Aquarienwasser befüllte Aufzuchtbecken von 25 L Inhalt überführt. Das Becken ist ein leeres Glasbecken, das nur mittels starrem Luftröhrchen über eine Luftpumpe mit groben Luftblasen belüftet wird. Blasenzahl: zunächst etwa 5 Blasen pro Sekunde, nach ca. einer Woche deutlich mehr. Zusätzlich befindet sich in dem kleinen Becken ein 25Watt-Regelheizer, der das Wasser auf ca. 24,5 Grad aufheizt.

Aufzucht der Larven:

Direkt nach dem Überführen der Larven wurden ca. 2 Liter Phytoplankton mittels 4mm-Luftschlauch langsam in das Aufzuchtbecken geträufelt. Bei der Aufzucht habe ich mich im Wesentlichen auf die Ausführungen von Wolfgang MAI verlassen, der dankenswerterweise viel zu seinen Nachzuchten in der Zeitschrift "Koralle" und in den Heften "Art für Art" - ebenfalls von der Koralle - publiziert hat. Nach einem gescheiterten Versuch mit Brachionus (das Becken kippte mir, weil es einfach zu viel Plankton war und zu wenig Wasser gewechselt wurde) wollte ich es diesmal rein mit Artemia-Nauplien versuchen, wie MAI es beschreibt. Ich hatte zu Hause noch einiges an Artemia-Zysten der "Platinum"-Qualität, die besonders klein und gleichzeitig im Verhältnis zu anderen Artemia-Zysten äußerst nährhaft sind, solange sie nur schnell genug nach dem Schlupf verfüttert werden.

Diesmal funktionierte es. In den ersten Tagen starben einige Larven, vielleicht auch wegen des Umsetzens aus dem Becken, in dem sich die Eltern befinden. Die meisten Tiere hatten aber sichtlich volle Bäuche: sie hatten die frischgeschlüpften Artemien gefressen, die kurz nach deren Schlupf abgesiebt und gereicht wurden! Die Phytoplankton-Konzentration wurde stets so bestimmt, dass man eine Sichttiefe von ca. 15cm in das Becken hatte. Zwei Artemia-Flaschen sind ständig im Einsatz: eine wird morgens angesetzt, eine abends. Frische Artemien werden dementsprechend immer morgens und abends gereicht (wobei die Artemien nach weniger als 24 Stunden schlüpfen), wobei die alten, noch im Becken befindlichen Artemien davor weitestgehend abgesaugt werden. Zu ungefähr gleichen Teilen füttere ich dabei immer etwas ältere angereicherte Artemien, die nach der von MAI beschriebenen "Kühlschrank-Methode" entweder mit Easy-DHA-Selco - hierbei darf man nicht zu viel verwenden, sonst sterben alle Artemien! - oder einer selbst gemischten Mixtur mindestens 24 Stunden lang in verschlossenen Petri-Schalen angereichert werden. Am dritten Lebenstag der Larven wurden erstmals angereicherte Artemien gefüttert und auch gleich angenommen.

Larvenentwicklung:

Nach drei bis vier Tagen waren die Larven noch immer nur schwach pigmentiert. Allerdings erschienen sie bereits "rundlicher" und dadurch größer. Spätestens nach fünf Tagen waren die Seitenscheiben des kaum bis zur Hälfte gefüllten Beckens schon deutlich grünlich vor Algen. Hier haben sich mit der Zeit auch einige kleine Plankton-Arten (vor allem Copepoden, schätze ich) gebildet, die vermutlich auch in kleinen Mengen von den Fischlarven gefressen wurden. Nach sechs Tagen schimmerten einige Larven in der hinteren Körpferhälte bereits orangelich. Bereits nach einer Woche konnte ich bei den Larven schon mitunter erhebliche Größenunterschiede feststellen. Nach acht Tagen waren bei den ersten wenigen Tieren bereits Ansätze einer weißen Kopfbinde zu erkennen, die in den nächsten Tagen immer größer und kräftiger weiß wurde. Diese Larven änderten gleichzeitig mit dem Erscheinen der weißen Binden auch ihr Verhalten: sie schwammen kaum noch im freien Wasser umher, sondern drückten sich ängstlich in die Ecken des Beckens zu den Silikonnähten und schwammen bereits wie die Alt-Tiere "S"-förmig. Ab diesem Zeitpunkt wurden kleine halbierte Tontöpfe als Verstecke und vorläufiger "Ersatz" für eine Anemone in das Becken eingebracht, die auch sehr schnell angenommen wurden. Mit ca. 11 Tagen hatten sich fast alle der Larven umgewandelt: der Körper hatte zu diesem Zeitpunkt bereits ein "schmutziges" Orange und direkt nach der ersten Kopfbinde kam auch die mittlere Körperbinde hinzu. Erst ca. eine Woche später waren allerdings die ersten Ansätze der Schwanzbinde zu erkennen. Mittlerweile hatte ich das Becken deutlich aufhellen lassen (weniger Phytoplankton) und zur biologischen Stabilisierung zusätzlich einige kleine Brocken Lebendgestein eingebracht (zum Glück ohne Glasrosen). Die Tiere halten sich entweder in Gruppen an den Ecken des Beckens auf oder drücken sich an die Innen- und Außenseiten der kleinen halbierten Tontöpfe. Langsam wird zaghaft das erste Frostfutter (Lobstereier, Cyclop Eeze, Rotes Plankton, Cyclops) gefressen, aber allzu viel Interesse ist für dieses tote Futter leider noch nicht da.

Einige Zeit hatte ich eine Handvoll Larven, die auffällig oft an die Wasseroberfläche schwammen und mit dem Maul nach oben diese aufgeregt entlang schwammen. Auch eine vermehrte Zugabe von Phytoplankton änderte nichts an dem Verhalten. Zuerst dachte ich nämlich, die Larven würden sich vielleicht an den Scheiben des Aquariums oder an der Wasseroberfläche spiegeln und darauf reagieren. Diese Larven hatten aber augenscheinlich wie alle anderen einen gut gefüllten Bauch. Mindestens ein Tier starb mir trotzdem auf diese Weise, alle anderen "normalisierten" ihr Verhalten aber bald und schwammen dann wieder wie alle anderen Larven "normal" durch die Wassersäule. Ein Freund von mir vermutet, dass das beschriebene Verhalten darauf beruht, dass die Larven ihre Schwimmblase mit Luft füllen müssen, die Obeflächenspannung des Wassers aber mit ihrer geringen Größe nur schwer durchbrechen können und sich dabei sehr plagen. Auf jeden Fall muss diese Sache die Larven sehr viel Energie kosten. Ich war ziemlich verwirrt und auch frustriert, weil ich nicht recht wusste, wie ich den Larven hätte helfen können. Wenn wer etwas zu dem beschriebenen Verhalten weiß, wäre ich sehr froh um Informationen dazu!

Regelmäßige Eingriffe:

Täglich wurden und werden zweimal Wasser gewechselt: zwischen 50 und 70% des Beckeninhalts werden mit einem kleinen 4mm-Schlauch und Luftröhrchen abgesaugt (dabei wird der Boden und die Seitenscheiben von toten Futtertieren usw. befreit). Aufgefüllt wird mit dem Wasser aus dem Becken der Elterntiere. Dabei wurde die ersten beiden Wochen auch immer Phytoplankton nachgefüllt, um die Konzentration - erkenntlich an der Grünfärbung des Wassers - zu halten. Es geht wohl auch ohne Phytoplankton, die Vorteile liegen aber laut mehreren Autoren in der Aufwertung der nicht sofort gefressenen Futtertiere und in der Stabilisierung der Wasserqualität. Auch kann ich mir vorstellen, dass die Larven durch die durch das Phytoplankton hervorgerufene Trübung des Wassers in der ersten Zeit etwas beruhigt werden.

Nach dem Wasserwechsel sind bei mir dann stets nur noch wenige nicht gefressene Futtertiere im Becken und damit werden neue, frische oder angereicherte Artemien aus dem Kühlschrank eingebracht. Beleuchtet wird das Becken übrigens über eine zentrale Zeitschaltung wie der Rest der Becken über knapp 18 Stunden täglich von 8:15 bis 00:00. Es handelt sich bei der Beleuchtung über dem Larvenbecken um eine simple Leuchtstoffröhre (Lichtfarbe "weiß") T8 aus dem Baumarkt.

Wie gehts nun weiter?:

Einige Jungtiere (drei) schwimmen seit einer Weile auch im großen Becken in einem eingehängten Netzbecken mit ca. 25 jungen Kaudernis, die dort für die erste Zeit gezielter gefüttert werden können. Auch diese Tiere entwickeln sich dem Anschein nach recht gut.

Ich muss es nun schaffen, die Jungfische an verschiedene Formen toten Futters zu bringen. Außerdem ist es wohl bald an der Zeit, sie in ein größeres, eingerichtetes Becken zu überführen, das unabhängig von dem Wasser des Beckens der Elterntiere ist. Früher oder später wäre es natürlich auch fein, den Jungfischen eine Anemone bieten zu können. Wenn die Jungfische noch weiter gewachsen sind, werde ich vielleicht auch einige wenige Tiere ins große Becken zu den Eltern lassen, die sie dann hoffenltich als noch nicht geschlechtsreife Tiere akzeptieren und mit in die Anemone lassen. Es sind zum jetzigen Zeitpunkt übrigens genau 18 junge A. ocellaris. Ausfälle hatte ich nur die ersten Tagen. Ich habe auch weniger Larven abgeschöpft, als ich hätte können, wollte das Aufzuchtbecken aber auch nicht überlasten. Ich schätze aber, dass ich die Aufzucht auch mit mehr Larven genau gleich betreiben hätte können, mit dem einzigen Unterschied, dass ich geringfügig mehr Futter benötigt hätte.

Fazit:

Die Aufzucht war bisher (und ist nach wie vor) eine ganze Menge Arbeit. Gleichzeitig kann ich die Freude kaum beschreiben, die ich empfinde, wenn ich den Kleinen beim Wachsen und vor allem bei ihrer Entwicklung zusehen kann. Jetzt, wo ich die Aufzucht der Larven "geschafft" habe, erscheint sie mir eigentlich als ziemlich einfach. Ich bin mir sicher, dass ich den ganzen Vorgang ohne Schwierigkeiten jederzeit wiederholen und vor allem das Thema Futter auch noch weiter verbessern kann. Unterschätzt habe ich die Menge an Phytoplankton, die bei zwei Wasserwechseln am Tag benötigt wird. Hier muss ich nächstes Mal mehr vorbereitet haben. Die nächsten Wochen und Monate werden zeigen, wie schnell und wie gut sich die Jungtiere bei mir entwickeln und ob es evtl. auch Probleme bei den Tieren gibt, was ich nicht hoffe, wovor ich aber doch etwas Angst habe.

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